Schweinswalwetter

Schutzstation Wattenmeer freut sich über Natur pur am Sylter Strand

20.05.2000

Die stabile Hochdrucklage bei leichten östlichen Winden sorgt derzeit für paradiesische Zustände am Sylter Strand. Jetzt im Mai sind die Inselstrände noch nicht so stark von Sonnenhungrigen bevölkert wie zur Hochsaison und die Nordsee liegt wie ein meeresblauer, glatter Spiegel vom Strandufer bis zum Horizont.

Die typische Tierwelt hat sich inzwischen hier eingestellt: Zwerg-, Küsten- und Brandseeschwalben stürzen immer wieder aus großer Höhe pfeilschnell ins Wasser, um kleine Schollen, Sandaale und andere Fischchen zu erbeuten. Zur Brutzeit ist die oft nur ein bis zwei Zentimeter große Fischbeute besonders wichtig. Erst als "Hochzeitsgeschenk" des männlichen Vogels an das Weibchen, um es zur Paarung zu bewegen und später als nahrhaftes Mitbringsel für die gierig aufgesperrten Schnäbel der Küken im Nest. Die Bodennester werden jetzt, leider zumeist nur an den wenigen, ausgesuchten und von Naturschutzwarten bewachten, störungsfreien Sandwällen, fernab des Urlaubstrubels angelegt.

Besonders bei Spaziergängen um die Inselenden kann man zur Zeit Seehunde und Kegelrobben öfter entdecken, die neugierig ihre Nase aus dem Wasser stecken und mit großen Knopfaugen die Urlauber am Strand beobachten. Schon bald werden die Seehunde ihre Jungtiere auf einsam gelegenen Sandbänken im Nationalpark Wattenmeer zur Welt bringen. Erste, jedoch nicht überlebensfähige Frühgeburten, sind letzte Woche bereits am Sylter Strand gefunden worden.

Optimal wirkt sich die Wetterlage auch für "Whale Watcher" am Sylter Strand aus: Immer wieder sehen Aufmerksame die kleinen Schweinswale vom Strand aus im Wasser des neuen Walschutzgebietes auftauchen. Die nasse, kleine schwarze, dreieckige Rückenfinne, die oft wie ein Spiegel das Sonnenlicht kurz reflektiert ist ein deutliches Kennzeichen für eine Schweinswalsichtung. Die Schutzstation Wattenmeer nimmt zu Forschungszwecken gern auch telefonisch (04651/8810939) jede Sichtung der seltenen Tiere entgegen. Allerdings nur wenn auch genaue Uhrzeit und Ort der Sichtung, sowie die Anzahl der Kleinwale notiert wurden.

Sorgen bereitet manchem Badegast die bräunliche Farbe des strandnahen Meerwassers. Doch die Schutzstation gibt diesbezüglich Entwarnung: Wegen der intensiven Sonneneinstrahlung und dem Nährstoffreichtum zur Frühjahrszeit können sich einzellige Algen besonders gut vermehren und bilden stellenweise mächtige, gallertige Kolonien an der Wasseroberfläche. Diese sind jedoch für Badende in der Regel nicht gesundheitsschädlich. Zu einem Problem für die Natur werden Algenmassen erst, wenn sie sich wegen der künstlicher Nährstofffracht aus Landwirtschaft und Autoverkehr über den ganzen Sommer hinweg vermehren können.