Vorfahrt für die Amphibien

Schutzstation-Freiwillige retten Kröten im Nationalpark Wattenmeer

21.03.2019

Milde Frühlingstemperaturen locken derzeit im brackwasserbeeinflussten Deichvorland von St. Peter-Ording Erdkröten und Moorfrösche aus ihren Winterquartieren. Das Vorland liegt im Nationalpark Wattenmeer, allerdings führt eine asphaltierte Busspur zum Südstrand. Auf dem Weg in ihre Laichgewässer müssen viele Amphibien diese schmale Straße überqueren und wurden in den Vorjahren in großer Zahl von Autos getötet, bis Naturschützer jetzt aktiv wurden.

„Es wurden bis zu 50 tote Amphibien gleichzeitig auf der Straße gefunden“, berichtet Sabine Gettner, Biologin von der Schutzstation Wattenmeer. Eigentlich hat im Nationalpark die Natur Vorrang: Die zum Südstrand führende Straße darf nur von Linienbussen und Inhabern von Sondergenehmigungen befahren werden. „Trotzdem missachten leider viele Autofahrer dieses Verbot“, sagt Gettner. Die Tiere sterben auch, wenn sie nicht direkt von einem Reifen getroffen werden. „Allein der Unterdruck, der beim Überrollen mit 30 Stundenkilometern erzeugt wird, reicht aus, um Amphibien lebensbedrohlich zu schädigen“, weiß die Biologin.

Helfer der Schutzstation Wattenmeer haben nun einen knapp 500 Meter langen Amphibienzaun, der von der Nationalparkverwaltung finanziert wurde, auf beiden Seiten der Straße errichtet. Befestigt wurde der Zaun mit Haltebügeln und Heringen. Bei der Erstaufstellung mussten zudem auf der ganzer Strecke mühsam Spannschnüre durch die Ösen gefädelt werden.

Sechs Aktive (Johannes Plohmann, Carla Rohé, Linus Kormann, Susanne Arnold, Selina Staudenmaier und Ally Fiedler), die den Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Schutzstation in St. Peter-Ording absolvieren, waren gemeinsam mit Biologin Gettner über 40 Stunden lang dafür im Einsatz.

Während der Laichwanderzeit kontrollieren die Freiwilligen nun zweimal täglich die alle zehn Meter in den Boden eingegrabenen Fangeimer und tragen die Kröten und Frösche auf die andere Straßenseite.

“Wir freuen uns, dass wir mit dem wahrscheinlich ersten Amphibienzaun im Nationalpark Wattenmeer einen Beitrag zum Schutz der Kröten und Frösche leisten können. Besser wäre es natürlich gewesen, wenn es ohne Zaun gegangen wäre“, sagt Gettner. Das Durchfahrtverbotsschild allein reiche offenbar leider nicht aus.

Die erste Kröte, die von den Freiwilligen gesichtet wurde, gelangte mit ihrer Hilfe sicher auf die andere Straßenseite.

Der Aufbau des Zauns war arbeitsintensiver als gedacht: Ausrollen, alle zwei Meter Haltebügel aufstellen, alle zehn Meter Eimer vergraben und Spannschnüre durch viele winzige Ösen ziehen.

Nach insgesamt gut 42 Arbeitsstunden steht der Zaun beidseitig der Asphaltspur.