Waffentests im Weltnaturerbe

Bundeswehr schießt wieder scharf im Nationalpark Wattenmeer

07.11.2014

In der kommenden Woche ist es im Weltnaturerbe Wattenmeer mit der Ruhe vorbei. Nach jahrelanger Pause hat die Bundeswehr angekündigt, ab 10.11.14 in der Meldorfer Bucht ein „Bergungsschießen“ in den Nationalpark zu veranstalten.

„Fast auf den Tag genau 25 Jahre nach dem Mauerfall ist ein Anachronismus, Waffen in diesem besonders sensiblen Naturraum zu testen“, sagt Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer. Geplant ist das Abfeuern von „Rohrmunition“ in den Nationalpark und das anschließende Bergen mit Schiff oder Hubschrauber. „Besonders die Vogelwelt leidet unter diesen Aktionen der Bundeswehr“, so Förster. Die Tiere werden nicht nur durch das Abfeuern der Granaten aufgescheucht. Die anschließenden Aktivitäten, um die Geschosse wieder aus dem Watt zu holen, stresst die Vögel zusätzlich. Außerdem belastet nicht bergbare Munition, die im Boden verbleibt, das Watt.

Eigentlich sollten die Waffentests bereits Anfang 2014 zeitgleich mit der in Tondern stattfindenden Trilateralen Wattenmeerkonferenz stattfinden. Durch Intervention des schleswig-holsteinischen Umweltministers Dr. Robert Habeck waren sie verschoben worden.

In der Folge soll Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen signalisiert haben, nach Alternativen zu suchen und die Waffenerprobung „mittelfristig“ im Weltnaturerbe zu beenden.

„Wir begrüßen diese Perspektive und unterstützen die Bemühungen des schleswig-holsteinischen Umweltministers“, sagt Geschäftsführer Förster. Die Waffentests im Weltnaturerbe Wattenmeer müssten umgehend ein Ende haben und nicht erst zum 30jährigen Jubiläum des Mauerfalls.

Hintergrund

Bei der Eindeichung der Meldorfer Bucht war Ende der 1960er Jahre ein Defizit von 30 Millionen DM aufgetreten. Dieses wurde durch den Verkauf von 1.500 Hektar Wattfläche durch das Land Schleswig-Holstein an die Bundeswehr ausgeglichen (Der Spiegel). Das Waffen-Erprobungsgebiet ist acht Kilometer breit und reicht 44 Kilometer weit auf See. Hier testet die Bundeswehr seit mehreren Jahrzehnten Flugkörper- und Raketensysteme.

Bei der Einrichtung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 1985 erhielt die Bundeswehr Bestandsschutz. 1992 wurde der Schießplatz auf Sylt aufgegeben. 1990 und 1998 forderte der schleswig-holsteinische Landtag (bisher vergeblich) eine baldige Einstellung der Waffentests in der Meldorfer Bucht.

Die neuen Waffentests in der Meldorfer Bucht stressen die Vogelwelt des Wattenmeeres