Das Seepferdchen

(Hippocampus hippocampus)

Eigenartige Fische

Dass Seepferdchen Fische sind, werden die meisten Menschen erst nach längerem Nachdenken oder genauem Hinsehen herausfinden. Sie haben eine Rückenflosse, ja, und man kann auch Kiemendeckel am Kopf erkennen, aber sonst...
Pferdekopf, Ringelschwanz, senkrechte Körperhaltung (zumindest manchmal, Seepferdchen sind da sehr unkonventionell) und das Fehlen von Schuppen und Temperament unterscheiden diese Verwandten der Seenadeln sehr deutlich von allen anderen Fischfamilien. 
Dass Seepferdchen auch in Deutschland leben (könnten), ist vermutlich noch weniger bekannt. Von Europas Küsten sind Kurz- und Langschnäuziges Seepferchen bekannt, wobei im Wattenmeer eher das Kurzschnäuzige vorkommt. Es hat keine oder kurze Fransen auf dem Kopf, seine Schnauze ist kürzer als 1/3 der Kopflänge und aufwärts gebogen. Das Langschnäuzige hat meist lange "Fransen", die aber den Jungtieren fehlen. Die Farbe variiert von weiß über gelb und braun bis schwarz, oft mit feinen weißen Punkten. Die Tiere sind träge und hängen auch schräg oder kopfüber im Algenwald. Beim Schwimmen schiebt die Rückenflosse sie vorwärts.

Wie lebt das Kurzschnäuzige Seepferdchen?

Die Art ist vom Dänemark bis Westafrika und bis ins Schwarze Meer an allen Küsten Europas zu finden. Seepferdchen brauchen Flachwasser mit Algen oder Seegras zum Festhalten und Verstecken. Sie sind relativ standorttreu, wandern aber wohl gelegentlich mit Strömungen weit umher. 
Seepferdchen schlürfen kleine Beutetiere wie Planktonkrebschen blitzschnell mit ihrem Rüssel ein. In weniger als einer Hundertstel Sekunde ist die Beute im Maul verschwunden! Der blitzschnelle Saugakt erzeugt ein hörbares Klicken. 
Wie bei den verwandten Seenadeln haben die männlichen Seepferde eine Bruttasche, in die die Weibchen ihre Eier ablegen. Die werdenden Väter sehen sehr schwanger aus und bekommen täglich kurz Besuch von der Mutter. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Jungfischchen und verteilen sich im Algen- oder Seegraswald. 
Seepferdfunde bitte im Strandfunde-Internetportal BeachExplorer.org melden!

Hätten Sie gedacht, dass...

  • ... es von Russland bis Portugal wohl keine Sprache Europas gibt, in der diese Fischfamilie nicht als "Kleines Seepferd" bezeichnet wird?
  • ... es weltweit etwa 100 Arten von Seepferdchen gibt, die zwischen 1,5 und 35 cm groß werden?
  • ... Beutetierchen durch das Einsaugen innerhalb einer zweihundertstel Sekunde von 0 auf 8 km/h beschleunigt werden?
  • ... Seepferdchen im Wattenmeer wohl weit verbreitet waren, ehe 1930 das große Seegrassterben ihren Lebensraum vernichtete und die Art verschwand?
  • ... seit 1999 vereinzelt wieder Seepferdchen im Watt gefunden werden, das erste auf Süderoogsand?
  • ... Krabbenfischer im Wattenmeer sehr selten auch einzelne Seepferdchen fangen?
  • ... 20 Millionen Seepferdchen pro Jahr in der chinesischen Medizin verbraucht werden, was einen weltweiten Fangdruck auf alle Seepferde erzeugt?
  • ... lebende Seepferchen für Aquarien beliebt, aber empfindlich sind, oft kränkeln und sterben?
  • ... die Aquakultur ausreicht, um den Aquarienhandel zu beliefern, dass China aber meist trotz Handelsbeschränkungen Wildfänge pulverisiert?